Magnum Manifesto

Nach New York und Rom gastiert die Wanderausstellung zum 70-jährigen Jubiläum von Magnum Photos im Münchener Kunstfoyer.

In der Fotoszene ist Magnum Photos“ ein großer Name. Und wem die Bildagentur selbst kein Begriff sein mag, der hat bestimmt schon einmal etwas von den Mitgliedern gehört oder gesehen. Denn die Fotografen von Magnum Photos dokumentieren seit 70 Jahren Ereignisse rund um den Globus.

Bei der Gründung 1947 waren es nur eine Hand voll – dafür bereits bekannte – Fotografen: Robert Capa, Henri Cartier-BressonGeorge Rodger„Chim“ David Seymour, und Bill Vandivert. Dem Gründungs-Mythos zufolge wollten sie einst beim Lunch im New Yorker MoMA mit einer Magnumflasche Champagner das Fotografenkollektiv ins Leben gerufen haben. Zu der Zeit waren aber nur zwei von ihnen tatsächlich in New York, die anderen arbeiteten teilweise im Ausland. Es gab zwar noch kein Internet, keine Videotelefonie oder ähnliches, dennoch ging es damals schnell: Robert Capa forderte zur Gründung einfach per Telegramm den Mitgliedsbeitrag von 500 US-Dollar ein. Derzeit gehören der Fotografenkooperative Magnum Photos rund 60 Mitglieder an. 

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1947 bis 1968: Im ersten Teil der Ausstellung „Magnum Manifesto“ geht es um Menschenrechte und menschliches Unrecht.

Agenturgeschichte und Weltgeschehen

Mit Dokumenten, in vielen Bildern und ausführlichen Texten erzählt die Ausstellung Magnum Manifesto chronologisch die Geschichte der Bildagentur Magnum Photos. Die Fotos zeigen, was die Magnum-Mitglieder in den vergangenen siebzig Jahren bewegt hat. Neben weltweit wichtigen Ereignissen, begleiteten die Fotografen auch das Alltagsleben der Menschen. In einem kurzweiligen Film reflektieren die Mitglieder darüber, was Magnum Photos für sie bedeutet. Und für alle, die sich intensiver mit dem Thema befassen möchten, bietet das Buch „Magnum Manifesto“ eine abwechslungsreiche Lektüre.

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Susan Meiselas porträtierte in den 1970er Jahren Striptease-Tänzerinnen auf Rummelplätzen in New England, Pennsylvania und South Carolina. In ihrem Buch „Carnival Strippers“ erzählt sie in Bildern und vielen Interviews vom Alltag auf dem Rummel.

Bedeutung für den Fotojournalismus

Gegliedert in drei Zeitabschnitte zeigt die Ausstellung Magnum Manifesto mit ausgewählten Projekten und Einzelbildern, wie die Fotografen den Bildjournalismus mit hoher Qualität und Integrität geprägt haben. Dabei bleiben die Magnum-Fotografen auch heute ihren ursprünglichen Werten treu: kompromisslose Exzellenz, Wahrheit, Respekt und Unabhängigkeit. Interessant bei den Bildserien ist die Gegenüberstellung der Fotografien und der veröffentlichten Printbeiträge (wie oben bei Susan Meiselas).

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London, England, 1951. Dieses Foto visualisiert die Ansicht von Henri Cartier-Bresson, im Fotojournalismus eine gewisse Distanziertheit zuzulassen.

Künstlerische Bandbreite

Von Anfang an versammelten sich bei Magnum Photos nur Fotografen, die herausragende Arbeit leisten. Dabei beeindruckt es mich nicht, dass die Magnum-Mitglieder aus unterschiedlichen Lagern über Journalismus versus Kunst diskutieren. Aus der Sicht des Betrachters würde ich alle Arbeiten als künstlerisch bezeichnen. Ob nun stilprägende Schwarzweiß-Aufnahmen von Henri Cartier-Bresson oder intensive Farbbilder wie von Jonas Bendiksen.

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Jonas Bendiksen dokumentierte um die Jahrtausendwende, wie Dorfbewohner Teile eines abgestürzten Raumfahrzeugs sammeln. Altai Territorium, Russland, 2000.

„… Fotografie ist eine Sprache. Überlegen Sie sich, was Sie damit kommunizieren möchten. Wo liegen Ihre Interessen? Welche Fragen möchten Sie mit Ihren Bildern stellen? Dann los, stürzen Sie sich mit der Kamera auf das Thema. Machen Sie etwas daraus.“ Jonas Bendiksen  

Spannend finde ich auch die Gemeinschaftsprojekte, die der breiten Öffentlichkeit nicht so bekannt sein dürften wie einzelne Fotografen, die viele Bücher und Ausstellungen anbieten. Unter dem Langzeitprojekt „Postcards from America“ dokumentierten Magnum-Fotografen zum Beispiel das Ende des Kodak-Werks in Rochester (NY/USA).

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Rochester Project: 2012 erkundete eine Gruppe Magnum-Fotografen kurz vor der Schließung des Kodak-Werks die Stadt Rochester (USA).

Fazit

Ob man nun Magnum-Fan ist oder noch nie davon gehört hat, die Ausstellung bietet verschiedene interessante Ansätze: die Geschichte der Agentur, Einblicke ins Weltgeschehen, die Entwicklung des Fotojournalismus oder die Kunst. Auf jeden Fall ist Magnum Manifesto eine anregende Ausstellung, die ich Ihnen gerne empfehlen möchte.

Mehr über Magnum Photos und Magnum Manifesto plus ein kurzes Interview mit Andrea Holzherr, Global Exhibition Manager bei Magnum, gibt es in meinem Blog Seventy|Two: „Quo vadis, Magnum?“

Das Buch „Magnum Manifesto“

Das begleitende Buch ist in Deutsch und Englisch erhältlich.
Herausgeber: Clément Chéroux. In Zusammenarbeit mit Clara Bouveresse.

Deutsche Ausgabe
416 Seiten, über 450 Bilder, davon 190 in Farbe
Format: 24,5 x 29,5 cm, gebunden
Schirmer/Mosel Verlag
ISBN: 978-3-8296-0789-6
49,80 Euro

Englische Ausgabe
Pages: 400; Artwork: 400+ illustrations, 120 in color
Size: 10.1 in x 12 in x 1.7 in
Thames & Hudson, NY
ISBN-10: 0500544557
ISBN-13: 9780500544556
List Price 65.00 US-Dollar

Die Ausstellung „Magnum Manifesto“ …

… läuft vom 17. Oktober 2018 bis 27. Januar 2019 im Kunstfoyer der Versicherungskammer Kulturstiftung (Maximilianstraße 53, 80530 München). Es ist die einzige deutsche Station der Ausstellung.

Kurator der Ausstellung „Magnum Manifesto“ ist Clément Chéroux .

Öffnungszeiten täglich 9.00 bis 19.00 Uhr
(geschlossen am 24.12./25.12./31.12.) Infotelefon: 089 2160 2244
Der Eintritt ist frei.

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Souvenir. A Photographic Journey

Der Magnum-Fotograf Martin Parr verdichtet Perspektiven aus dem Alltag zu einer feinsinnigen Gesellschaftskritik. Das Kunstfoyer in München zeigt eine sehr unterhaltsame Retrospektive.

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Kuratorenführung mit Hans-Michael Koetzle

Am 4. Juni 2016 begleiteten wir den Kurator im Münchener Kunstfoyer der Versicherungskammer Kulturstiftung durch die Austellung „Augen auf! 100 Jahre Leica Fotografie“.

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Ausstellungstipp:
Augen auf! 100 Jahre Leica Fotografie

Die Ausstellung erzählt anhand bekannter und unbekannter Aufnahmen die Geschichte der Kleinbildfotografie. Im Zentrum steht die Frage, wie die Erfindung des Leica Kamerasystems die Entwicklung der Fotografie in den vergangenen 100 Jahren geprägt hat.

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