Archaische Akte in Schwarz-Weiß

Jörg Heidenberger stellt den männlichen Körper ungeschminkt auf die Bühne

Die Körperbilder von Jörg Heidenberger zeigen den echten Menschen, so wie er ist. Ungeschminkt, nicht weichgezeichnet oder mit goldglänzender Glasur. Muskeln und Sehnen bringt der Fotograf meist im harten Licht detailverliebt an die Oberfläche. Manchmal sind es schroffe Hände, Adern, Falten an Stellen, wo andere sie sonst oft retuschieren. Immer sind es kraftstrotzende Bilder, die eine gewisse Leistungs- oder manchmal auch Leidensfähigkeit des Menschen zeigen.

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Jörg Heidenberger: It’s a runners world, 2015. Alte Fabrik (Mensch & Maschine).
Der Mensch, getrieben, im Hamsterrad des Alltags im Stil von „Moderne Zeiten“.

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Jörg Heidenberger: Go’round, 2015. Alte Fabrik (Mensch & Maschine).
Inspiriert von „Moderne Zeiten“ der Mensch als Teil einer Maschinerie.

Bewusster Stil

Heidenberger steht zum menschlichen Körper mit all seinen Unebenheiten, aber auch mit seinem kraftvollen und ästhetischen Ausdruck. Er ist sein eigenes Fotomodell und kann so seine Ideen schnell und punktgenau umsetzen, was sich am Set als sehr hilfreich erweist. Denn Heidenberger ist ein eher ungeduldiger Mensch ist und außerdem verlangen seine Motive dem Modell körperlich einiges ab. Die Grenzen des Machbaren setzt einzig die Beweglichkeit seines Körpers und natürlich Heidenbergers Stil.

Dabei lässt er sich gerne von den verschiedensten Künstlern inspirieren, kupfert aber bewusst nie ab, sondern entwickelt eine eigene Sichtweise. Es ist kein Zufall, dass die oben gezeigten Motive an die Bilder des Sozialistischen Realismus im 20. Jahrhundert erinnern. Allerdings bedient sich Heidenberger des Stils, um ihn mit einer neuen Bedeutung, mit eigenen Themen aufzuladen. So bringt er den männlichen kraftstrotzenden Archetypus zum Wanken, indem er ihn mit satirischen Bildern wie dem Leben im Hamsterrad verknüpft.

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 Jörg Heidenberger: Gerahmter Akt, 2015.
Eine kleines Wortspiel mit Rahmen und Körpern.

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 Jörg Heidenberger: Be Part, 2016.
Ich wollte dazu anregen, selbst Teil einer Idee bzw. von Kunst zu werden. Quasi der Künstler als Teil, als Stütze seiner Kunst.

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 Jörg Heidenberger: Chair I, 2016, (Chairart).
Wie auch bei Cubes stelle ich die üblichen Sehgewohnheiten in Frage und zeige einen Menschen (mich) aus einer etwas anderen Perspektive.

Keine leeren Bilder

Wichtig ist Jörg Heidenberger die Geschichte, die Bildidee, die er gerne auch unterwegs in ein Notizbuch einträgt und im Hintergrund reifen lässt. Bis er die richtige Location gefunden hat oder das Motiv im Studio inszeniert. Immer arbeitet der Fotograf akribisch und gibt erst Ruhe, wenn das Bild so im Kasten ist, wie er es sich vorgestellt hat. Ich finde, das sieht man, wenn man die Fotos betrachtet. Sie sind exakt komponiert, teilweise aufwendig inszeniert und häufig aus ungewöhnlichen Perspektiven aufgenommen.

Zwei Fragen an Jörg Heidenberger:

Was fasziniert Sie besonders an der Darstellung des menschlichen Körpers?
Der menschliche Körper, vor allem in Bewegung, hat mich schon immer fasziniert. Tänzer, Turner, Kletterer, das Spiel von Licht & Schatten auf den Muskeln und Sehnen ist für mich Ästhetik pur. Wobei dabei ein Körper nicht dem klassischen Schönheitsideal entsprechen muss, nicht perfekt oder gestylt sein muss. Alles ungewöhnliche fasziniert mich.

Ist das Modellstehen auch eine Art Fitnesstraining?
Nur indirekt, es ist natürlich anstrengend und teils bin ich anschließend durchgeschwitzt. Aber es motiviert mich auch, weiter in Form zu bleiben. Vielleicht sollte ich noch auf eine Weile auf andere Modelle verzichten, um keinen Bauchansatz zu bekommen.

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 Jörg Heidenberger: No Smoking, 2015.
Visualisierung eines Rauchverbots im Haus. Ich wollte die Grenzen zwischen Bild, Zeichnung und Realität zerfließen lassen.

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Profil:

Name: Jörg Heidenberger
Geburtsjahr: 1967
Geburtsort: Aurau, jetzt Büchenbach (Bayern)
Lebensmittelpunkt und Arbeit: Fürth, Bayern, ab 1.10. Wechsel aus der Versicherungsbranche zu einem der großen IT Dienstleister
Erlernter Beruf: Kaufmännische Ausbildung
Derzeitiger Beruf: Softwareentwickler
Ausstellungen: aktuell bei Snaporlando/Facebook
Stellen Sie sich selbst in 1 Satz vor: Jörg Heidenberger, leidenschaftlicher Fotograf, Nonkonformist.

facebook.com/JHeidenberger

Interview mit Jörg Heidenberger

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Wir fragen den Fotografen, der sich selbst Modell steht, was ihn antreibt, diese eigenwilligen Körperbilder zu gestalten.

Zum Interview

Jörg Heidenberger inszeniert „Lost Places“

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