„nackt“ in der Berliner Galerie Silber & Salz

Ungeschminkte Nacktheit trifft auf fotografische Perfektion

Aktfotografien von Thomas Rusch

  • „nackt“ von Thomas Rusch bei Silber & Salz, Berlin

  • „nackt“ ©Thomas Rusch

  • „nackt“ ©Thomas Rusch

  • „nackt“ ©Thomas Rusch

  • „nackt“ von Thomas Rusch bei Silber & Salz, Berlin

Reizvoller Widerspruch

Im Projekt „nackt“ sucht Thomas Rusch einen Gegenpol zur vordergründig makellosen Werbewelt, mit der er beruflich zu tun hat. Ohne Make-up und Faltenretusche, inszeniert er nackte Körper von „ganz normalen“ Menschen in handwerklich vollendeten Fotografien. Der besondere Reiz der stimmungsvollen Bilder entsteht durch die Kombination von Komposition, Licht und Farbgebung, die an Gemälde alter Meister erinnert. Dazu passen die Vintage-Bilderrahmen, die Thomas Rusch monatelang für die 24 ausgewählten Aktfotografien zusammengetragen hat.

Klein und persönlich

Anders als viele seiner Fotoprojekte, die mit Großformaten in geräumigen Ausstellungsflächen glänzen, will Thomas Rusch diesmal die Besucher dicht an seine Bilder heranholen. Der Aufbau einer Beziehung zwischen Betrachter und Fotografie soll im intimen Abstand stattfinden. Deshalb suchte er nach einem passenden Ausstellungsraum, der mit den kleinen und mittleren Bildformaten (von circa 11 mal 15 Zentimeter bis circa 50 mal 70 Zentimeter) gut ausgefüllt werden kann.
Die Berliner Galerie Silber & Salz bietet in einem alten Überseecontainer den richtigen Rahmen für „nackt“. Der Galerist Chris Schmid möchte Menschen für Kunst und Fotografie interessieren. Er will auch bei Laien das Verständnis für die handwerkliche Qualität und den Wert eines Kunstwerkes wecken. Deshalb bewegt er sich in einem Preissegment, das Kunst für jedermann zugänglich macht. Die Fotografien aus der Serie „nackt“ sind mit 300 bis 900 Euro ausgezeichnet.
Zur Ausstellungseröffnung von „nackt“ habe ich Thomas Rusch in der Galerie Silber & Salz zu einem kurzen Interview getroffen.

Mit dem Fotografen Thomas Rusch im Gespräch über „nackt“, Galerie Silber & Salz, Berlin. Foto: Chris Schmid.

Fünf Fragen an Thomas Rusch zu „nackt“

Was war für Sie das Schwierigste an diesem Projekt?
Thomas Rusch: Ich habe eine Weile gebraucht, um mich selbst aus der idealisierten Welt der Werbefotografie zu lösen. Weg von der schillernden Perfektion, hin zu einer natürlicheren, persönlicheren Bildsprache. Das betrifft auch die Einstellung zum Motiv, das Arbeiten mit den Laienmodellen und den reduzierten Einsatz der Fototechnik. Um das Raumlicht in meiner alten Waschküche, die als Location diente, zu verstärken, habe ich lediglich einen Globe eingesetzt.

Wie lange haben Sie an der Serie „nackt“ gearbeitet?
TR: 
Für meine Verhältnisse relativ lang. Insgesamt etwa zweieinhalb Jahre. Ich wollte keine Fortsetzung von „nur“ schönen Aktfotos. Mit dem Älterwerden sehe ich Menschen anders. Einfach ausgedrückt: Nicht die Verpackung, sondern der Inhalt zählt. Mit „nackt“ möchte ich zeigen, dass Schönheit mehr als der äußere Schein ist und sich auch durch die innere Haltung ausdrücken kann.

Wer sind Ihre Modelle?
TR: Ich habe ausschließlich mit Laien gearbeitet, teilweise aus meinem Freundeskreis. Der Weg zur entspannten Atmosphäre am Set war manchmal nicht ganz einfach. Doch irgendwann gab es den intimen Moment, wo beide – Modell und Fotograf – vergessen, etwas zu wollen. Die Posen haben die Modelle selbst gewählt. Eine Performance-Künstlerin wie Marie bietet natürlich etwas anderes an, als jemand, der Selbstdarstellung nicht gewohnt ist. Beides ist spannend.

Mit welcher Technik fotografieren Sie?
TR: Für diese Serie habe ich eine digitale Mittelformatkamera verwendet. Ich fotografiere gerne aus der Hand, um die Dynamik und Stimmung zwischen dem Modell und mir einzufangen. Außerdem wollte ich das Weiche des Körpers und die Strenge des Hintergrunds abwechslungsreich kombinieren.

Was ist für Sie bei der Bildpräsentation wichtig?
TR: Auf jeden Fall hohe Abbildungsqualität. Das Farbklima habe ich konsequent so lange entwickelt, bis es genau so war, wie ich es mir vorgestellt hatte. Mir ist wichtig, dass die Bilddetails der digitalen Daten gut wiedergegeben werden. Das gewünschte tiefe Schwarz kam am besten auf einem Fineart Barytpapier, das ich dann für die kleine Erstauflage 7/7 verwendet habe. Von etwa 70 Bildern habe ich 24 für die Ausstellung ausgewählt. Zur Abrundung begann ich vier Monate vor der Vernissage, alte Bilderrahmen speziell für „nackt“ zusammenzutragen. So hat jedes Bild seinen ganz eigenen Charakter und den passenden Rahmen.

Thomas Rusch (geb. 1962 in Freiburg) lebt und arbeitet in Hamburg und Berlin.
Nach Assistenz bei einem Werbefotografen, Locationscout und Produktioner, fotografierte er etwa zwei Jahre Backstage auf Musikfestivals. Es folgten Veröffentlichungen zum Beispiel im Stern, in diversen Fotomagazinen, Buchpublikationen, Ausstellungen, Arbeiten für Werbung und Editorial. Thomas Rusch verbrachte elf Jahre in Paris und beschäftigte sich viel mit Mode- und Beautyfotografie. Außerdem engagiert er sich – auch fotografisch – in sozialen Projekten und fertigt freie Fotoarbeiten.

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Die Galerie

„Silber & Salz“ heißt die kleine Galerie auf dem Berliner Holzmarktgelände. Wenn man den schwarzen Übersee-Container betritt, blickt man in eine andere Welt mit den unterschiedlichsten fotografischen Themen. Der Gründer und Fotograf Chris Schmid lädt Künstler, Sammler und Fotointeressierte zum kulturellen Austausch ein.

Silber & Salz Galerie
Holzmarktstraße 25
10243 Berlin
www.silberundsalz.com

Mehr über die Galerie Silber & Salz erfahren Sie auf meinem Blog Seventy|Two.

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Die Ausstellung

nackt
mit Fotografien von Thomas Rusch
31. August bis 29. November 2018

Öffnungszeiten
31. August bis 19. September von Do bis Sa 14.00 – 20.00 Uhr,
sowie nach telefonischer Vereinbarung
20. September bis  29. November nach telefonischer Vereinbarung
Telefon +49 171-699 87 92