Augen auf! 100 Jahre Leica Fotografie.

Die Jubiläumsausstellung on Tour

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Das Key-Visual der Jubiläumsausstellung von Leica: Christer Strömholm, NANA, Place Blanche, Paris 1961.

Fast hätte ich die Münchener Station dieses Highlights verpasst. Es ist der vorletzte Tag der Ausstellung, die sehr kurzweilig zeigt, wie sich durch eine technische Erfindung der fotografische Blick auf die Welt verändert hat. Der Kurator Hans-Michael Koetzle macht daraus keine Produktshow, sondern erzählt die Geschichte entlang von rund 550 Fotografien von über 140 Künstlern. Ihm ist eine besondere Ausstellung geglückt, die auch noch in anderen europäischen Städten zu sehen sein wird. Vielleicht ist das ja auch eine schöne Anregung für eine Reise …

Ausstellungen in Foyers von Behörden, Ministerien oder Firmenzentralen können mich normalerweise nicht locken. Ich habe leider die Erfahrung gemacht, dass einen häufig nicht viel mehr erwartet, als uninspirierte und spärliche Dekorationsversuche von Empfangsbereichen. Klar, die Hausherren erhoffen sich von solch einem Kulturengagement positive Imageeffekte. Aber der Mehrwert für Besucher bleibt letztendlich eher übersichtlich – selbst wenn klangvolle Namen und ambitionierte Konzepte angekündigt werden.

Ganz anders bei dieser Ausstellung im Münchener Kunstfoyer. Die Versicherungskammer Kulturstiftung hat hier einen vollwertigen Ausstellungsbereich geschaffen, der sich wirklich sehen lassen kann. Und auch das Gezeigte wird diesem Rahmen voll und ganz gerecht.

Die Erfindung der Leica verändert die Fotografie

Selbstverständlich gibt es historische Leica Kameras zu sehen: Den ersten Prototyp der Leica, den Oskar Barnack 1914 vollendete und die erste verkaufte Leica von 1925, die auch nach 90 Jahren einwandfrei funktioniert. Oskar Barnack definierte das Filmmaterial, das es bis heute im gleichen Format zu kaufen gibt – für analoge Kameras natürlich.

Doch im Zentrum der Ausstellung stehen die Fotografien, die sich durch die neue Kleinbildtechnik völlig verändert haben. Natürlich alle mit Leicas aufgenommen. Angefangen bei den ersten Bildern von Oskar Barnack, die rein dokumentarischen Charakter haben. Mit der Beweglichkeit der kleinen Kamera eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten für den Fotojournalismus – mittendrin und schnell am Auslöser bei Sportveranstaltungen, politischen Unruhen oder auf Reisen. Ereignisse werden mit der handlichen Leica Kamera ganz einfach in Bildserien dokumentiert und der authentische Schnappschuss wird als Beweisfoto herangezogen. Heute bekannte Fotografen wie Henri Cartier-Bresson, Robert Lebeck oder René Burri nutzen die Leica als Werkzeug für die Umsetzung ihrer künstlerischen Ideen.

100 Jahre Leica Schnappschuss

Die Schau führt chronologisch durch die Geschichte der Leica Fotografie. Neben den vielen Schwarz-Weiß-Aufnahmen, auch aus jüngerer Zeit, lassen eindrucksvolle Farbfotos von Eggleston oder Bruce Gilden erkennen, wie die Fotografen neue Motive entdecken. Die frühen Aufnahmen werden in kleineren Formaten präsentiert – ganz den Originalen der Zeit entsprechend. Teilweise ist die Ausstellung auch mit Vintage-Prints bestückt. Es macht Spaß, die vielen Details zu entdecken. Besondere Aufmerksamkeit verdienen auch die unbekannteren Fotografen z.B. aus Spanien und Portugal. Neben den Abzügen werden ebenfalls Zeitschriften und Bücher gezeigt – auch hier viele Raritäten, die der Kurator Hans-Michael Koetzle zusammengetragen hat.

Wenn Sie die Möglichkeit haben, die Ausstellung „Augen auf! 100 Jahre Leica Fotografie“ in Portugal, Spanien, Italien oder Großbritannien, zu besuchen, dann gönnen Sie sich dieses Erlebnis.

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Ein Umfangreicher Begleitband ist im Kehrer Verlag (Heidelberg) erschienen:

564 Seiten, ca. 1200 Abbildungen, gebd., Ausgaben in Deutsch und Englisch, 98 Euro, ISBN 978-3-86828-523-9 (Englisch ISBN 978-3-86828-530-7), 2014.
Herausgeber: Hans-Michael Koetzle
Autoren: Alejandro Castellote, Anton Holzer, Bernd Weise, Christoph Schaden, Emília Tavares, Enrica Vigano, Franziska Mecklenburg, Gabriel Bauret, Hans-Michael Koetzle, Michael Ebert, Peter Hamilton, Rebekka Reuter, Thomas Honickel, Thomas Wiegand, Ulf Richter

Mehr unter artbooksheidelberg.de

Kuratorenführung mit Hans-Michael Koetzle

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Augen auf! 100 Jahre Leica Fotografie: Zur vorletzten Kuratorenführung in München von Hans-Michael Koetzle versammelten sich mehr als 50 Leute.

Am 4. Juni 2016 begleiteten wir den Kurator im Münchener Kunstfoyer der Versicherungskammer Kulturstiftung durch die Austellung „Augen auf! 100 Jahre Leica Fotografie“.

Zum Videobeitrag

Die Ausstellung „Augen auf! 100 Jahre Leica Fotografie“ on Tour:

Belgien, Gent, vom 17. Juni bis zum 14. August in der Kunsthalle St.-Peters-Abtei
Infos dazu bei leica-camera.com

Nächste Station:
Porto/Portugal ab 1. Dezember 2016

Weitere geplante Stationen für Reisefreudige:
Ab Mai 2017 in Madrid und danach in Italien und Großbritannien (Genaueres ist noch nicht bekannt.)