Stille Schwarzweiß-Fotografie spannend komponiert

Interview mit Ando Fuchs

Ando Fuchs ist in den Südtiroler Dolomiten aufgewachsen. Eine wunderschöne und gleichzeitig schroffe Berglandschaft. Heute lebt Ando Fuchs in Osttirol – der gleiche Kulturraum, aber jenseits der politischen Grenze. Das erzähle ich gleich am Anfang, weil ich glaube, dass seine Fotografie viel mit dieser Region zu tun hat.

Ein einzelnes Foto von Ando Fuchs, das ich im Web auf Pinterest entdeckt habe, war Auslöser für meine Neugier auf diesen Fotografen (siehe Webentdeckungen). Da zur Eröffnung dieses Blogs nicht mehr lange Zeit war, haben wir lediglich via E-Mail korrespondiert. Dennoch habe ich ein ziemlich deutliches Bild von ihm im Kopf, obwohl ich nur wenige Anhaltspunkte habe. Ob das so stimmt? Das würde ich gerne einmal in einem persönlichen Gespräch mit ihm herausfinden.

Puzzleteile fügen sich zu einem Bild

Seine Heimat Südtirol habe ich schon oft besucht und dabei die Landschaft, die Kultur und die Menschen kennengelernt. Das Durchzugsland ist der Schnittpunkt von italienischem und deutschem Kulturraum. Über Jahrhunderte sind viele Einflüsse in die Täler gewandert. Ich habe dort einen gleichzeitig traditionsbewussten und doch über den eigenen Tellerrand blickenden Menschenschlag kennengelernt. Aus diesen Eindrücken von Ando Fuchs’ Heimat, seinen Fotografien und den Interviewantworten, setzt sich meine Vorstellung von ihm zusammen: Mir scheint Ando Fuchs ein Mensch zu sein, der Wert auf sorgfältiges Handwerk legt und seine Wurzeln kennt. Das in Kombination mit ausgeprägter Neugier, macht für mich die Qualität und die kreative Kraft seiner Bilder aus.

Ein aufmerksamer Blick für Licht und Schatten

Dunkle Ecken des Vergehens und Vergessens erkundet Ando Fuchs in seiner Nachbarschaft auf verlassenen Höfen. Seine Bilder sind wohl überlegt komponiert, meist mit harten Kontrasten, immer in Schwarzweiß. Die stillen Winterbilder dagegen sind hell und friedlich, inhaltlich aufs Wesentliche reduziert und trotzdem lebendig.

Venedigs geheimnisvolle Schatten

In Venedig fängt Ando Fuchs die Atmosphäre, die Architektur in kontrastreichen Schwarzweiß-Bildern ein (Bilder oben). Er zeigt „La Serinissima“ in  morbiden, melancholischen Fotografien mit vielen dunklen Bereichen, dunstigen Gassen und ganz und gar nicht touristisch. Ando Fuchs zeigt ein vergängliches Venedig, in dem die Menschen wie zufällig ins Bild laufen – als anonymes Beiwerk.

„Bei mir dreht sich alles um die Fotografie.“

Was war Ihr erstes Foto?
Vor etwa 30 Jahren habe ich eine Nikon FT geschenkt bekommen. Natürlich musste ich die Kamera sofort ausprobieren und ich erinnere mich noch recht genau an die ersten Bilder, die ich bei einem Hundeschlittenrennen geschossen habe.

Wie sind Sie zur künstlerischen Fotografie gekommen?
Intensiv fotografiere ich seit 2009. Dabei hat sich auch durch die Auswahl und Betrachtungsweise der Motive nach und nach eine künstlerische Richtung entwickelt.

Wann haben Sie sich entschieden, sich auf Schwarzweiß-Fotografie zu konzentrieren?
Obwohl die Dolomiten in meiner Heimat eher zur Farbfotografie verleiten, gefällt mir die schlichte Schönheit der oft kontrastreichen Landschaft in Schwarz-Weiß. Seit etwa drei Jahren fotografiere ich ausschließlich in Schwarz-Weiß.

Fotografieren Sie auch gelegentlich in Farbe?
Zur Zeit kommt für mich Farbe in meinen Fotografien nicht in Frage. Ich würde es aber zukünftig auch nicht ausschließen.

Wie finden Sie Ihre Themen?
Die Themen entstehen meist spontan. Oft sind es Motive aus meiner Umgebung wie „Winterland“, mit denen ich mich dann ausführlicher beschäftige. Deshalb verreise ich nie ohne Kamera.

Wann entscheiden Sie sich für das Bildformat?
Mein bevorzugtes Format ist das Quadrat. Abhängig von den örtlichen Gegebenheiten, wähle ich aber auch hoch- oder querformatige Motive. Das entscheide ich jeweils vor der Aufnahme, oder wenn ich eine Bildserie beginne.

Mit welchen Kameras fotografieren Sie?
Mit einer analogen und einer digitalen Nikon. Vor einigen Jahren dachte ich noch, mein Kamerasystem mit vielen Objektiven ausstatten zu müssen. Aber ich arbeite lieber nach dem Motto „weniger ist mehr“.

Kunstlicht oder Available Light?
In den letzten drei Jahren habe ich ausschließlich Fotos mit natürlichem Licht gemacht.

Wie wichtig ist digitale Nachbearbeitung für Sie?
Schon die Aufnahme gestalte ich so, dass es kaum einer Nachbearbeitung bedarf. Andererseits gibt es viele Möglichkeiten in der Nachbearbeitung und gelegentlich setze ich sie bewusst ein.

Wo und wie veröffentlichen Sie Ihre Fotografien?
Neue Aufnahmen stelle ich auf meiner Webseite und verschiedenen Fotoplattformen online. Außerdem wurden meine Bilder zum Teil schon in regionalen Ausstellungen und in Zeitschriften veröffentlicht.

„Mein Motto ist, beschreibe dich nicht selbst. Du wirst das niemals so hinkriegen, dass dich der Leser dann auch kennt oder sich ein Bild von dir machen kann.“

Welche besonderen Herausforderungen sind mit Ihrer Art der Fotografie verbunden?
Für mich ist die Herausforderung, unabhängig von besonderen technischen Mitteln, Gefühl und Ausdruck in meinen Bildern zu zeigen. Ich bin glücklich, wenn der Betrachter länger an einem Foto hängen bleibt und sich damit auseinandersetzt und hinterfragt, warum das Foto gerade so entstanden ist. Wenn das noch im Quadrat gelingt, ist es für mich perfekt.

Gibt es ein Motiv, das Sie unbedingt einmal fotografieren möchten?
Nicht konkret. Ich denke über alle möglichen Themen nach. Ich werde es bestimmt wissen, wenn das richtige Motiv vor meiner Linse auftaucht.

Ando-Fuchs-Fotograf-Portrait-Photo-International

Profil:

Name: Ando Fuchs
Geburtsjahr: 1966
Geburtsort: Innichen, Südtirol
Wohnort: Sillian, Osttirol
Erlernter Beruf: Schlosser
Berufung: Fotograf
Veröffentlichungen: Kleinere Ausstellungen in meiner Umgebung und einige Berichte in Zeitschriften wie z.B. im Schwarz Weiß Magazin, das vom Tecklenborg Verlag herausgegeben wird.

www.ando-fuchs.at
www.fotocommunity.de
www.facebook.com/andofuchsphotographer

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